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Pressetext AZ, 28. 12. 2007

Attraktiv, aber Entwicklung stockt

Marktoberdorf Stadtbaumeister Sauer spricht vor Augsburger Studenten

Marktoberdorf l sg l Marktoberdorfs Weg vom Dorf zur Stadt erweckte das Interesse von rund 30 Geografie- Studentinnen und -Studenten der Universität Augsburg. Stadtbaumeister Herbert Sauer skizzierte in groben Zügen die wichtigsten Entwicklungsschritte. Prof. Dr. Hans Frei wollte insbesondere die Entwicklung der Stadt im Zusammenhang mit der Zentralität des Ortes unter die Lupe nehmen.
Als Markstein in der Entwicklung Marktoberdorfs nannte Sauer zunächst die Markterhebung 1453, mit der neben der Landwirschaft das Handwerk Einzug in den Flecken hielt, der mit dem Schloss bereits eine Besonderheit hatte. Aber erst 1876, mit dem Anschluss an die Bahn, siedelte sich in Marktoberdorf auch Gewerbe an. Immer noch aber war die Landwirtschaft prägend. 1953 dann die Stadterhebung: Aus dem Markt wurde eine Stadt. Allerdings stellte Sauer die These auf, dass diese Umstellung „in den Köpfen der Bürger bis heute nicht abgeschlossen ist“. Bei der Stadtentwicklung jedoch müsse der Bürgermitgenommen werden. „Nur Millimeter für Millimeter“ könne in Marktoberdorf etwas vorangebracht werden. Sauer wies auf die Zeit zwischen 1946 und 1953 hin, als sich insbesondere durch den Zuzug von Heimatvertriebenen die Anzahl der Einwohner von 2800 auf rund 6000 verdoppelt hat (heute sind es 18500 Einwohner, in der Kernstadt 13000). Die Infrastruktur dafür musste erst geschaffen werden, sagte Sauer.

Weichen 1985 gestellt
1972 dann die Gebietsreform: Marktoberdorf wurde Verwaltungsmittelpunkt für den Landkreis. Gewerbe und Handwerk entwickelten sich sehr gut, der relativ gute Mix an Arbeitsplätzen bedinge eine niedrige Arbeitslosenquote. Als Problem stellte Sauer die Verkehrsführung dar: Marktoberdorf sei ein Verkehrsknotenpunkt, allerdings rissen die Straßen den Ort auseinander. Der Kampf um die Umgehung dauere seit 1990 an. „Dies behindert die Stadtentwicklung gewaltig“. Man habe zu spät mit dem Planen angefangen.

Wichtige Weichen für Marktoberdorfs Entwicklung seien bereits 1985 gestellt worden, als durch den Brand der Sailerbrauerei ein zentraler Platz frei geworden sei. Damals sei heftig diskutiert worden, ob eine Neubebauung eher den alten Marktcharakter oder schon Stadtcharakter haben solle: Es siegte der städtische Charakter mit Pfarrheim, Sparkasse und Stadthaus auf dem Marktplatz. Heuer sei eine neue Diskussion entstanden: Wie machen wir weiter?
Marktoberdorf zeichne sich durch Zentralität aus, führte Sauer weiter aus. Das sei ein Segen, aber auch ein Fluch. Denn Füssen, Kempten, Kaufbeuren, Schongau, Augsburg und München seien nicht weit weg: „30000 Menschen könnten hier einkaufen – wenn sie es täten“. Die Nähe anderer Zentren verhindere in Marktoberdorf eine rege Geschäftswelt.

Prof. Frei warf ein, dass ihm dies unverständlich sei. Denn die Verwaltungszentralität, die Marktoberdorf habe, müsste doch eine Versorgungszentralität mit sich bringen. Sauer räumte ein, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden. Heute jedenfalls sei es ein großer Kampf, dass Marktoberdorf Einkaufsstadt bleibt. Kleinparzellige Besitzverhältnisse behinderten manche Vorhaben, viel Kaufkraft fließe ab. Dabei habe Marktoberdorf vieles andere zu bieten. Sauer hob die Vorteile der Freizeitstadt hervor. Ob Sport, Kultur oder Vereinswesen: Vieles sei geboten. „Marktoberdorf ist attraktiv, aber die Versorgung über die Geschäfte lässt nach: Dies aber gehört zu einer Stadt“. Eine stärkere Konzentration der Geschäfte sei nötig. Er sehe derzeit keine Lösung, dieses Ziel zu erreichen.

Ins offene Ohr der ISM gesprochen:

Eine Teilnehmerin an der Planungswerkstatt MITreden MITdenken MITplanen will die Liste der Gründe: Warum fahren wir aus dem Hinterland in die Stadt Marktoberdorf? noch um einen wichtigen Punkt ergänzen!

In MOD gibt es viele sehr gute Fachärzte.
Die Bevölkerung vom Umland ist auf die medizinische Betreuung und Versorgung durch qualifizierte und spezialisierte Ärzte in der Stadt angewiesen.

Wird nun durch die Initiativen der ISM die Stadt insgesamt attraktiver, werden sich die Besucher von Ambulanzen und Praxen sicher länger in der Stadt aufhalten und auch andere einladende, verlockende Angebote gerne annehmen.

Frau Wied wohnt mit ihrer Familie in Bernbeuren.

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